(Auszug aus der Familiengeschichte Schäfer von Erich Herzberg)
Zanzthal, das heute Zdroisk heisst, liegt ca. zwanzig Kilometer Östlich von Landsberg/Warthe
an der ehemaligen Reichsstraße 1. Ursprünglich führte die 1392 Kilometer lange Reichsstraße
1 von Aachen über Hannover, Berlin, Küstrin, Landsberg (Warthe), Konitz, Dirschau, Elbing,
Braunsberg, Königsberg, Insterburg und Gumbinnen bis nach Eydtkuhnen an der damaligen
deutschlitauischen Grenze.
Zanzthal gehört eigentlich zu Zanzhausen, wie auch die Ortsteile Zanzmühle und
Zanzhammer und war dort auch eingepfarrt. Um 1930 hatte das gesamte Dorf etwa 500
Einwohner, in Zanzthal lebten zu der Zeit allein ca. 140. Seinen Namen verdankt es dem
kleinen Flüsschen Zanze, das im soldinischen Mückeburg seinen Anfang nimmt, weiter durch
den Ziehten und den Lübbesee fliesst, dann an Zanzhausen und Zanzthal vorbei, durch den
Pulskanal, um schliesslich bei Zantoch in die Warthe zu münden.
Das Dorf ist umgeben von weiten Kiefern und Mischwäldern, ein idealer Ort zur Erholung.
In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts war es auch deshalb ein
beliebtes Ausflugsziel vieler ehemaliger Landsberger. Seinen Glanz von früher hat das kleine
Walddorf heute aber leider verloren. Die beiden damals gut besuchten Gasthäuser, das
"Waldhaus Zanzthal" (Heuer) und "Zum Riesenkrebs" gibt es nicht mehr.
Beide Gasthäuser hatten eine vorzügliche Restauration, dazu Kaffee und KuchenBewirtung.
Von Anfang Mai bis Anfang Oktober jeden Jahres saßen die Ausflügler an schönen warmen
Sommertagen im Freien unter alten Bäumen am Teich des Gasthauses "Heuer" und im
Kaffeegarten vor dem Gasthaus "Zum Riesenkrebs".
Die Landsberger Gäste genossen den guten
Kaffee, dazu je nach Jahreszeit Erdbeer,
Himbeer, Blaubeer, Pfirsich, Zwetschgen
oder Apfelkuchen. Sonn und Feiertags trafen
sich hier die Gäste zu fröhlichen Festen mit
Spaziergängen um den großen und kleinen
Welmsee. Der Wirt "Zum Riesenkrebs" konnte
seinen Gästen stets frische Fisch und
Krebsgerichte anbieten, da er selbst einige
Seen von der Forstverwaltung gepachtet hatte.
Im Urlaub und in den Ferien konnten in beiden Gasthäusern Ferienwohnungen gemietet
werden und der Welmsee lud die Sommergäste zum baden, Kahn fahren oder zum Angeln ein.
Zanzthal ist ebenso wie Zanzhausen während der Kolonisierung des Warthe und
Netzebruches entstanden. Das Kolonisationswerk Friedrichs des Großen erfaßte demnach nicht
nur das Warthe und Netzebruch, sondern auch Teile des Waldgebietes der Landsberger Heide.
Die Gründung des Dorfes im Jahre 1765 steht im engen Zusammenhang mit der Errichtung
von drei Hammerwerken zur Verarbeitung des Roheisens aus der Vietzer Hütte.
Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff war 1763 mit dem Wiederaufbau und der
Erweiterung der im siebenjährigen Krieg von den Russen stark zerstörten Vietzer Hütte
beauftragt worden. Wenige Jahre später leitete er im Auftrage der königlichen Regierung auch
die Arbeiten zur Trockenlegung und anschliessenden Kolonisierung des Warthe und Netzebruches.